Nationalstolz statt Queer Pride?!

Die Cologne Pride hat gestern ihr Motto für den CSD 2020 verkündet:
„Einigkeit! Recht! Freiheit!“
Nun ist gegen Einigkeit, Recht und Freiheit ja erstmal nichts zu sagen, aber die Botschaft ist ganz klar: Man will sich durch das Zitat aus der deutschen Nationalhymne positiv auf den deutschen Staat beziehen. Dieser Bezug wirkt auf jede*n, der*die sich ansatzweise mit queerer Geschichte auseinandergesetzt hat, wie ein schlechter Witz:

Die Bundesrepublik Deutschland hat, aufbauend auf die Gesetzgebung des Deutschen Reichs unter Adolf Hitler, seit ihrer Gründung vor allem Schwule brutal verfolgt. Bis 1969 war jede Form von männlicher Homosexualität illegal, danach gab es Altersgrenzen, ab denen es legal war. Erst im Zuge der Rechtsangleichung zwischen BRD und DDR im Rahmen des Beitritts der DDR zur BRD wurde die Verfolgung von Homosexuellen eingestellt. Dies fand erst im Jahr 1994 statt.
Erst seit 2017 dürfen Homosexuelle heiraten, und bspw. bei der Blutspende gibt es bis heute keine Gleichberechtigung.
Der Staat, der von den Organisator*innen des CSD 2020 gefeiert wird, hat eine Geschichte der Verfolgung von zehntausenden Menschen und eine Gegenwart, in der queere Geflüchtete oftmals mit queerfeindlichen Begründungen abgewiesen werden.

Die Geschichte der Pride Months begang mit einem millitanten Aufstand gegen Polizeigewalt in der Christopher Street und nun soll das Jubiläum dieses Aufstands gefeiert werden, indem man einen Staat feiert, der die LGBT-Community jahrzehntelang brutal unterdrückte?
Wir halten das Motto der Cologne Pride 2020 für eine massive Fehlentscheidung. Wir werden bei der Pride 2020 für eine widerständige und bunte Queer-Community eintreten, gegen staatliche Repression und bunt angemalten Patriotismus.

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