Immer wieder kontroverse Themen in der feministischen Bewegung sind Sexwork/Prostitution und Pornographie.

Die Pornoindustrie ist eine extrem kapitalistische, sexistische und auch rassistische Institution, die nicht auf freiwilliger konsensualer Sexualität beruht. Wir möchten eine Welt, in der die Darstellung von Erotik mit Freiwilligkeit und Gleichberechtigkeit vereinbar ist und keine Unterdrückung fördert. Wir fordern bessere Bedingungen für Pornodarsteller*innen, die frei von patriarchalen Werten sein sollten.

Beim Thema Sexwork/Prostitution vertreten wir die folgenden Standpunkte:

1. Wir sind gegen eine Kriminalisierung von Sexarbeiter:innen.

2. Wir fordern, dass es mehr niedrigschwellige und kostenlose Bildungsangebote im Bereich Prostitution/Sexwork gibt:

  • Bereits in der Schule soll über Prostitution und damit verbundene Machtgefälle und Ausbeutungsverhältnisse aufgeklärt und Vorurteile abgebaut werden.
  • Für Sexarbeiter:innen soll es mehr kostenlose mehrsprachige Weiter- und Fortbildungsangebote geben.

3. Wir fordern Ausstiegs- und Einstiegsprogramme aus der bzw. in die Sexarbeit:

  • Die Einsteigerinnenprogramme und Unterstützungangebote für einen Ausstieg sollen u.a. eine mehrsprachige Peer-Beratung von (ehemaligen) Sexworker:innen/Prostituierten beinhalten und Fachberatungen von Sozialarbeiter:innen einschließen

4. Es muss ein Bleiberecht für Opfer des Menschenhandels geben

  • Wenn Betroffene Angst vor Abschiebung oder Repressionen haben müssen, kommt es nicht für sie häufig nicht infrage, sich an Behörden oder die Polizei zu weden und es wird ihnen erschwert, Unterstützung zu erhalte.

5. Wir lehnen Zuhältertum generell ab, nicht nur im Kontext von Zwangsprostitution.

6. Wir fordern, dass die genossenschaftliche Organisierung von Prostituierten unterstützt wird.

7. Langfristig ist es unser Ziel, die Umstände abzuschaffen durch die Menschen gezwungen sind sich zu prostituieren um ihre Existenz zu sichern.

8. Wie ein Großteil der Menschen, die in der Branche arbeiten, lehnen wir das ProstSchG ab und sehen darin keinen Schutz, sondern vor allem Repression. Wir lehnen ein Pflicht-Outing ab:

– Sexworker*innen, die illegal in Deutschland sind, müssen bei ihrer Registrierung diesen Status öffentlich machen und eine Abschiebung fürchten, weshalb sie vom ProstSchG nicht erreicht werden.

– Sexworker*innen fürchten Stigmatisierung in ihren Herkunftsländern. Besonders, wenn in ihren Herkunftsländern Prostitution/Sexwork verboten und verurteilt wird.

– Sexworker*innen fürchten ein unfreiwilliges Outing, wenn mit den Daten nicht sensibel umgegangen wird. Eine Verschwiegenheit von Beamten ist nicht immer sichergestellt.

– Bei Datenlecks kann es passieren, dass Sexworker:innen von Repressionen betroffen sind. Beispielsweise, wenn Länder Sexarbeiter:innen die Einreise verweigern.

Wir fordern, ein neues Gesetz zu verabschieden, das im Austausch mit Interessenverbänden von (ehemaligen) Sexworker*innen/Prostituierten erarbeitet wird und diese Kritikpunkte berücksichtigt.